Blätter im Herbst sammeln: Natürliches Laub für Garnelen und Schnecken

Wenn im Herbst die Blätter fallen, lässt sich kostenlos ein wertvoller Vorrat für das Aquarium anlegen. Richtig ausgewähltes und vollständig getrocknetes Laub bietet Garnelen und Schnecken Weideflächen, Verstecke und natürliche Beschäftigung.

Auf den Blättern bildet sich im Aquarium ein feiner Aufwuchs aus Mikroorganismen. Diesen sogenannten Biofilm weiden viele Garnelen und Schnecken besonders gern ab. Allerdings eignet sich nicht jedes Blatt – und auch der Sammelort spielt eine wichtige Rolle.

Warum ist Laub im Aquarium sinnvoll?

Getrocknete Blätter schaffen Struktur und Rückzugsorte. Besonders Junggarnelen finden zwischen ihnen gleichzeitig Schutz und Nahrung.

Während sich das Laub langsam zersetzt, wird seine Oberfläche von Mikroorganismen besiedelt. Je nach Baumart werden außerdem Gerb- und Huminstoffe abgegeben. Dadurch kann sich das Wasser leicht bernsteinfarben färben. Das ist normal und kein Zeichen für verschmutztes Wasser.

Laub ist jedoch nur eine natürliche Ergänzung und kein vollständiges Alleinfutter.

Welche Blätter sind geeignet?

Für den Einstieg eignen sich heimische Laubbäume, die sich sicher bestimmen lassen:

  • Eiche: sehr stabil, gerbstoffreich und lange haltbar
  • Rotbuche: bewährtes Basislaub mit mittlerer Zersetzungsdauer
  • Hainbuche: wird etwas schneller weich als Eichenlaub
  • Haselnussstrauch: gut geeignet und vergleichsweise schnell abgeweidet
  • Schwarzerle: gut geeignet, sollte aber sicher erkannt werden
  • Linde: eher weich und schneller zersetzt
  • Birke: dünn und relativ schnell verbraucht
  • Ahorn: bei eindeutiger Bestimmung als Ergänzung geeignet
  • Esskastanie beziehungsweise Edelkastanie: gut geeignet und eine schöne große Weidefläche

Auch Blätter von ungespritzten Apfel- oder Birnbäumen können verwendet werden. Hier muss jedoch sicher bekannt sein, um welchen Baum es sich handelt und ob Pflanzenschutzmittel eingesetzt wurden.

Walnuss nur mit Vorsicht verwenden

Walnussblätter enthalten Gerbstoffe und verschiedene biologisch aktive Pflanzenstoffe. Besonders bekannt ist Juglon, das vor allem in frischen und grünen Pflanzenteilen vorkommt.

Deshalb sollten keine frischen oder grünen Walnussblätter ins Aquarium gegeben werden.

Wenn Walnusslaub verwendet wird, dann nur:

  • natürlich abgefallen
  • vollständig braun
  • gründlich getrocknet
  • aus einem ungespritzten Umfeld
  • zunächst sehr sparsam dosiert

Für Einsteiger sind Eiche, Buche, Hainbuche, Haselnussstrauch und Erle die unkompliziertere Wahl.

Esskastanie und Rosskastanie nicht verwechseln

Die Esskastanie wird auch Edelkastanie oder Marone genannt. Ihre langen, schmalen Blätter besitzen einen auffällig gezähnten Rand. Sauberes, braunes und vollständig getrocknetes Laub der Esskastanie kann im Aquarium verwendet werden.

Die Rosskastanie ist botanisch nicht mit der Esskastanie verwandt. Sie enthält unter anderem Saponine und andere biologisch aktive Pflanzenstoffe. Getrocknete Rosskastanienblätter werden zwar teilweise in der Aquaristik eingesetzt, für Einsteiger würde ich sie jedoch nicht empfehlen.

Hinzu kommt, dass die Blätter vieler Rosskastanien von Miniermotten oder Blattkrankheiten befallen sind. Stark fleckige oder beschädigte Blätter sollten grundsätzlich nicht gesammelt werden.

Welche Blätter gehören nicht ins Aquarium?

Unbekannte Blätter sowie giftige, stark harzhaltige oder ätherisch-ölreiche Gehölze gehören grundsätzlich nicht ins Aquarium.

Nicht verwendet werden sollten insbesondere:

  • Eibe
  • Goldregen
  • Oleander
  • Rhododendron und Azalee
  • Kirschlorbeer
  • Liguster
  • Buchsbaum
  • Efeu
  • Robinie
  • Pfaffenhütchen
  • Thuja und andere Nadelgehölze

Die wichtigste Regel lautet:

Was nicht zweifelsfrei erkannt wurde, kommt nicht ins Aquarium.

Eine Bestimmungs-App kann einen ersten Hinweis geben. Bei Unsicherheit sollte die Baumart zusätzlich anhand eines Pflanzenführers oder durch eine fachkundige Person überprüft werden.

Wo sollte man Blätter sammeln?

Am besten sammelt man in einem unbelasteten Garten oder an einem ruhigen Waldrand, dessen Umgebung man kennt. Die Bäume sollten möglichst weit von Verkehr, gespritzten Feldern und anderen Schadstoffquellen entfernt stehen.

Ungeeignet sind:

  • stark befahrene Straßen und Parkplätze
  • konventionell bewirtschaftete Felder und Obstplantagen
  • Bahntrassen
  • Industrieflächen
  • sichtbar verschmutzte oder ölige Stellen
  • stark von Hunden genutzte Wegränder
  • Flächen, auf denen Pflanzenschutz- oder Unkrautvernichtungsmittel eingesetzt werden könnten

Waschen oder Abkochen kann chemisch belastetes Laub nicht zuverlässig sicher machen. Ein ungeeigneter Sammelort lässt sich dadurch nicht nachträglich „reparieren“.

In Deutschland dürfen Pflanzenteile grundsätzlich nur in kleinen Mengen und schonend für den persönlichen Bedarf gesammelt werden. Eigentumsrechte, Betretungsverbote und örtliche Schutzbestimmungen müssen beachtet werden. In Schutzgebieten oder auf Privatgrund sollte man nicht ohne Erlaubnis sammeln.

Blätter richtig erkennen und auswählen

Die Bestimmung gelingt am sichersten, solange Blatt, Zweig, Rinde und Baum gemeinsam betrachtet werden können. Bereits durcheinandergewehtes Bodenlaub lässt sich wesentlich leichter verwechseln.

Deshalb möglichst direkt unter einem sicher bestimmten Baum sammeln. Zur späteren Kontrolle helfen Fotos vom ganzen Baum, von der Rinde, vom Zweig sowie von Blattober- und Blattunterseite.

Geeignet sind saubere, braune Herbstblätter, die der Baum selbst abgeworfen hat oder die sich ganz leicht lösen.

Die Blätter sollten:

  • trocken oder höchstens leicht feucht sein
  • keine fauligen Stellen besitzen
  • frei von sichtbarem Schimmel sein
  • nicht stark verschmutzt sein
  • keinen auffälligen Schädlings- oder Pilzbefall zeigen

Grüne, frisch vom Baum gerissene Blätter enthalten noch mehr Pflanzensäfte und verhalten sich im Aquarium anders. Für einen sicheren Vorrat bleiben wir deshalb grundsätzlich bei braunem Herbstlaub.

Richtig trocknen und lagern

Die gesammelten Blätter werden zu Hause noch einmal einzeln kontrolliert. Fremde Arten sowie verschmutzte, faulige oder schimmelige Blätter werden aussortiert.

Danach geht man folgendermaßen vor:

  1. Die Blätter locker und möglichst einlagig ausbreiten.
  2. An einem luftigen, trockenen und schattigen Ort vollständig trocknen lassen.
  3. Während der Trocknung mehrmals wenden.
  4. Erst einlagern, wenn die Blätter wirklich trocken sind und deutlich rascheln.
  5. Nach Baumart und Sammelort beschriften.
  6. Trocken und dunkel in Papierbeuteln, Kartons oder anderen atmungsaktiven Behältern lagern.

Feuchtes Laub gehört nicht in einen geschlossenen Plastikbeutel. Riecht der Vorrat später muffig oder zeigen sich feuchte Stellen beziehungsweise pelziger Schimmel, sollte die betroffene Partie entsorgt werden. Abkochen macht verschimmeltes Laub nicht wieder verwendbar.

Vorbereitung und Verwendung im Aquarium

Vor dem Einsetzen wird das Blatt kurz unter klarem Wasser abgespült und noch einmal kontrolliert.

Vollständig trockenes Laub kann direkt ins Aquarium gegeben werden. Es schwimmt anfangs häufig an der Oberfläche und sinkt später von selbst ab.

Soll das Blatt schneller untergehen, kann es kurz mit kochendem Wasser übergossen oder einige Minuten eingeweicht werden. Notwendig ist das bei sauber gesammeltem und richtig getrocknetem Laub nicht.

Ein feiner weißlicher Belag auf einem Blatt unter Wasser ist meist normaler Biofilm. Garnelen und Schnecken weiden ihn häufig gern ab. Pelziger Belag und muffiger Geruch bei der Lagerung sprechen dagegen für Schimmel – solche Blätter werden entsorgt.

Wie viel Laub darf ins Aquarium?

Eine feste Dosierung für alle Aquarien gibt es nicht. Blattgröße, Baumart, Besatz, Temperatur, Filterung und Abbaugeschwindigkeit unterscheiden sich deutlich.

Als vorsichtiger Einstieg eignet sich:

Etwa ein mittelgroßes Blatt auf 20 Liter Aquarienwasser.

In gut eingefahrenen Garnelenbecken kann die Menge später langsam erhöht werden. Eine dicke Laubschicht sollte man nicht auf einmal einbringen.

Beim Abbau organischen Materials wird Sauerstoff verbraucht und es werden Nährstoffe freigesetzt. Besonders in kleinen, warmen oder ungefilterten Aquarien sollte deshalb sparsam begonnen werden.

Neue Blätter können nachgelegt werden, wenn das vorherige Laub weitgehend aufgefressen oder nur noch das Blattskelett übrig ist. Saubere Blattadern dürfen im Aquarium bleiben. Faulig riechende, schwarz-schmierige oder ungewöhnlich stark zerfallende Reste werden entfernt.

Laub für Garnelen und Schnecken

Garnelen und Schnecken nutzen Laub vor allem als natürliche Weidefläche. Sie fressen den entstehenden Biofilm und teilweise auch das weicher werdende Blattmaterial.

Für Junggarnelen ist Laub besonders wertvoll. Sie finden zwischen den Blättern Nahrung und Schutz und können dort nahezu ständig nach feinem Aufwuchs suchen.

Trotzdem ersetzt Laub keine abwechslungsreiche und auf die jeweilige Tierart abgestimmte Ernährung.

Was bewirkt Laub im Rosenheimer Wasser?

Unser Rosenheimer Leitungswasser ist vergleichsweise hart und gut gepuffert. Laub kann auch in diesem Wasser Huminstoffe abgeben, natürliche Weideflächen schaffen und das Aquarium strukturieren.

Die Wirkung auf Wasserhärte und pH-Wert bleibt in hartem Wasser jedoch meist begrenzt. Einige Blätter machen aus hartem Leitungswasser kein Weichwasser.

Benötigen Garnelen oder Schnecken besonders weiches und saures Wasser, müssen die Werte gezielt eingestellt und regelmäßig kontrolliert werden. Mehr Laub allein löst dieses Problem nicht.

Kurze Checkliste zum Sammeln

  • Baumart zweifelsfrei erkannt?
  • Ungespritzter und verkehrsferner Sammelort?
  • Nur saubere, braune Herbstblätter ausgewählt?
  • Frei von Fäulnis und Schimmel?
  • Vollständig und luftig getrocknet?
  • Trocken und beschriftet gelagert?
  • Im Aquarium zunächst sparsam dosiert?

Dann steht dem eigenen Herbstvorrat nichts im Weg. Wer bei einem Blatt unsicher ist, lässt es lieber liegen. Mit Eiche, Buche, Hainbuche, Haselnussstrauch und Erle findet man rund um Rosenheim bereits eine sehr gute und leicht verfügbare Grundauswahl.

Katjas Tipp

Ich sammle am liebsten direkt unter einem Baum, den ich sicher bestimmen kann, und nehme nur saubere, vollständig braune Blätter mit. Für den Anfang reichen Eiche, Buche, Haselnussstrauch und Erle vollkommen aus.

Gebt lieber zunächst ein Blatt zu wenig als zu viel ins Aquarium und beobachtet, wie schnell es abgebaut wird. Sobald nur noch die Blattadern übrig sind, kann langsam nachgelegt werden.

Bei einer unbekannten Baumart oder einem zweifelhaften Sammelort gilt für mich ganz klar: Lieber liegen lassen – die Sicherheit unserer Tiere geht vor.

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