17. Juni 2026
Blaualgen im Aquarium erkennen, verstehen und erfolgreich bekämpfen
Wer zum ersten Mal Blaualgen im Aquarium entdeckt, denkt oft zunächst an normale Algen. Tatsächlich handelt es sich bei den sogenannten Blaualgen jedoch gar nicht um Algen, sondern um Cyanobakterien.
Aufgrund ihrer schleimigen Konsistenz werden sie auch häufig als Schmieralgen bezeichnet.
Sie können sich innerhalb weniger Tage ausbreiten und ganze Pflanzen, Wurzeln, Steine oder den Bodengrund mit einem schleimigen Belag überziehen.
Doch woran erkennt man Blaualgen eigentlich sicher, warum entstehen sie und was hilft wirklich dagegen?
Was sind Blaualgen?
Blaualgen sind Cyanobakterien. Sie gehören zu den ältesten Lebensformen der Erde und betreiben ähnlich wie Pflanzen Photosynthese.
Im Aquarium können sie jedoch schnell zum Problem werden, da sie sich oft deutlich schneller vermehren als höhere Wasserpflanzen.
Wie erkennt man Blaualgen?
Typische Merkmale sind:
✔ blaugrüne, dunkelgrüne oder schwarzgrüne Beläge
✔ schleimige, zusammenhängende Schichten
✔ lösen sich oft in größeren Fetzen ab
✔ wachsen über Pflanzen, Dekoration und Bodengrund
✔ breiten sich häufig sehr schnell aus
✔ oft unangenehmer, modrig-erdiger Geruch
Im Gegensatz zu Fadenalgen bilden Blaualgen keine langen grünen Fäden. Stattdessen entstehen meist schleimige Teppiche oder Häute.
Typischer Geruchstest
Wer sich unsicher ist, kann einen kleinen Belag absaugen oder entnehmen.
Riecht dieser deutlich modrig, faulig oder erdig, handelt es sich häufig um Cyanobakterien.
Sind Blaualgen gefährlich?
Ja, insbesondere bei starkem Befall.
Viele Cyanobakterien können Stoffwechselprodukte und Toxine freisetzen. Diese können Pflanzen schädigen und bei starkem Befall auch Fische, Garnelen und Schnecken belasten.
Deshalb sollte ein starker Befall nicht ignoriert werden.
Warum entstehen Blaualgen?
Blaualgen sind oft ein Zeichen dafür, dass das biologische Gleichgewicht im Aquarium gestört ist.
Dabei gibt es nicht die eine Ursache, sondern meist mehrere Faktoren, die zusammenkommen.
Zu starke Beleuchtung
Eine sehr intensive Beleuchtung oder lange Beleuchtungszeiten können Cyanobakterien begünstigen.
Besonders problematisch wird dies, wenn die Pflanzen nicht genügend Nährstoffe zur Verfügung haben.
Nährstoffungleichgewicht
Ein häufiger Auslöser sind extrem niedrige Nitratwerte.
Viele Aquarianer versuchen Nitrat möglichst niedrig zu halten. Pflanzen benötigen jedoch Nitrat für gesundes Wachstum.
Während die Pflanzen stagnieren, können Cyanobakterien die Situation ausnutzen.
Schlechte Wasserzirkulation und Sauerstoffmangel
Blaualgen treten häufig in Bereichen mit geringer Strömung auf.
Typische Stellen sind:
- hinter Dekorationen
- unter großen Pflanzenbeständen
- in Ecken des Aquariums
- auf wenig durchströmten Bodengrundflächen
Sauerstoffarme Bereiche können die Ausbreitung zusätzlich begünstigen.
Organische Belastung
Futterreste, Mulm und abgestorbene Pflanzenteile liefern zusätzliche Nährstoffe und können das Wachstum fördern.
Vernachlässigte Filterpflege
Stark verschmutzte Filter können zur Ansammlung organischer Belastungen beitragen und damit das Wachstum von Cyanobakterien fördern.
Hoher pH-Wert
Ein hoher pH-Wert kann das Wachstum einzelner Cyanobakterienarten begünstigen, gilt jedoch nicht als alleinige Ursache.
Frisch eingerichtete Aquarien
In neu eingerichteten Becken ist das biologische Gleichgewicht oft noch nicht stabil. Cyanobakterien nutzen diese Phase gerne aus.
Wie wird man Blaualgen wieder los?
1. Blaualgen absaugen
Entferne so viele Beläge wie möglich mechanisch.
Je weniger Cyanobakterien im Aquarium verbleiben, desto leichter lässt sich das Problem beheben.
2. Große Wasserwechsel durchführen
Mehrere große Wasserwechsel innerhalb weniger Tage können helfen, überschüssige Nährstoffe und gelöste organische Stoffe zu entfernen.
Besonders wichtig:
Wenn größere Mengen Blaualgen entfernt werden oder absterben, sollten großzügige Wasserwechsel durchgeführt werden, um freigesetzte Toxine aus dem Aquarium zu entfernen.
Bewährt haben sich:
- 50 bis 80 % Wasserwechsel
- mehrmals innerhalb einer Woche
3. Strömung verbessern
Bereiche mit wenig Wasserbewegung sollten besser durchströmt werden.
Oft reicht bereits eine kleine Veränderung der Filterausrichtung.
4. Nährstoffe kontrollieren
Besonders der Nitratwert sollte überprüft werden.
In vielen von Blaualgen betroffenen Aquarien liegt Nitrat überraschend nahe bei 0 mg/l.
Ein moderater Nitratwert von etwa 10–20 mg/l unterstützt häufig das Pflanzenwachstum und erschwert Cyanobakterien die Ausbreitung.
5. Pflanzen fördern
Schnell wachsende Pflanzen können helfen, überschüssige Nährstoffe aufzunehmen und den Cyanobakterien Konkurrenz zu machen.
Bewährte Arten sind beispielsweise:
- Hornkraut
- Wasserpest
- Nixkraut
- Heteranthera
- Schwimmpflanzen
Auch eine ausgewogene Pflanzendüngung unterstützt gesundes Wachstum. Eisen sollte jedoch nicht pauschal gegen Blaualgen eingesetzt werden, sondern nur bei tatsächlichem Bedarf.
Hier findest Du Pflanzen gegen Algen
6. Beleuchtung überprüfen
Zu lange Beleuchtungszeiten sollten reduziert werden.
Für die Bekämpfung von Blaualgen reichen oft zunächst:
- 6 bis 8 Stunden Beleuchtungsdauer täglich
7. Dunkelkur
Bei starkem Befall kann eine vollständige Dunkelkur helfen.
Dabei wird das Aquarium für etwa 5 bis 7 Tage komplett abgedunkelt.
Die meisten Cyanobakterien reagieren darauf deutlich empfindlicher als die meisten Aquarienpflanzen.
Anschließend sollte ein großer Wasserwechsel erfolgen.
Helfen Algenfresser, Schnecken oder Garnelen?
Leider kaum.
Anders als viele Grünalgen werden Blaualgen von den meisten Schnecken, Garnelen und Algenfressern nur sehr widerwillig oder gar nicht gefressen.
Eine direkte Bekämpfung durch Tiere ist daher meist nicht möglich.
Was ist mit Weidenrinde oder Zeolith?
Gelegentlich werden natürliche Methoden wie Weidenrinde empfohlen. Die Wirksamkeit ist jedoch wissenschaftlich nicht eindeutig belegt.
Auch Zeolith kann in einzelnen Fällen helfen, die Wasserqualität zu verbessern und Ammonium zu binden. Es beseitigt jedoch nicht die eigentliche Ursache des Blaualgenbefalls.
Fazit
Blaualgen sind keine echten Algen, sondern Cyanobakterien. Sie werden auch als Schmieralgen bezeichnet und sind an ihren schleimigen, oft blaugrünen bis schwarzgrünen Belägen leicht zu erkennen.
Die häufigsten Ursachen sind:
- zu starke Beleuchtung
- sehr niedrige Nitratwerte
- schlechte Strömung
- Sauerstoffmangel
- hohe organische Belastung
- verschmutzte Filter
- instabile Beckenbiologie
Wer die Ursachen beseitigt, regelmäßig Wasser wechselt, die Beläge absaugt und auf gesundes Pflanzenwachstum achtet, bekommt das Problem meist dauerhaft in den Griff.
Bei besonders starkem Befall gehört eine Dunkelkur zu den wirksamsten Maßnahmen.