Erlenzapfen im Aquarium – welche sind geeignet und was ist wirklich gefährlich?
Erlenzapfen gehören seit vielen Jahren zu den beliebtesten Naturprodukten in der Aquaristik. Sie geben Gerb- und Huminstoffe an das Wasser ab, bieten Garnelen und Schnecken zusätzliche Oberflächen zum Abweiden und können ein naturnahes Aquarienmilieu unterstützen.
Gleichzeitig kursieren zwei hartnäckige Warnungen:
„Es gibt zwei ähnlich aussehende Erlenarten – und eine davon ist giftig.“
und
„Die Samen in den Zapfen sind gefährlich für Fische.“
Wir haben beide Aussagen genauer geprüft.
Welche Erlenzapfen werden im Aquarium verwendet?
Der klassische Erlenzapfen der Aquaristik stammt von der Schwarzerle (Alnus glutinosa).
Daneben gibt es unter anderem die Grauerle oder Weißerle (Alnus incana), deren Fruchtstände denen der Schwarzerle sehr ähnlich sehen können.
Für die verbreitete Behauptung, dass Grauerlenzapfen grundsätzlich giftig für Fische, Garnelen oder Schnecken seien, konnten wir jedoch keinen überzeugenden wissenschaftlichen Nachweis finden.
Auch Untersuchungen mit Extrakten aus Grauerlen-Fruchtständen zeigten bei Artemia – also kleinen Krebstieren – keine ausgeprägte akute Giftwirkung. Das lässt sich zwar nicht direkt auf jede Garnelenart übertragen, spricht aber gegen die Vorstellung eines starken, unspezifischen „Krebstiergiftes“.
Trotzdem verwenden und empfehlen wir für die Aquaristik weiterhin bevorzugt die Schwarzerle, da sie seit Jahrzehnten etabliert und gut dokumentiert ist.
Sind die Samen giftig?
Auch dafür gibt es keinen belastbaren Nachweis.
Die Samen der Schwarzerle enthalten biologisch aktive Pflanzenstoffe, Untersuchungen zeigen aber keine ausgeprägte allgemeine Toxizität.
Das eigentliche Problem liegt wahrscheinlich eher bei unreifen, frischen oder sehr samenreichen Fruchtständen.
Samen und unreifes Pflanzenmaterial enthalten mehr leicht verwertbare organische Stoffe. Werden davon größere Mengen ins Aquarium eingebracht, können sich Bakterien stark vermehren.
Dabei wird Sauerstoff verbraucht.
Eine mögliche Kette sieht also eher so aus:
viel organisches Material → starke bakterielle Aktivität → erhöhter Sauerstoffverbrauch → Wassertrübung und Sauerstoffmangel
Gerade in kleinen Aquarien oder bei hoher Dosierung kann das für Fische, Garnelen und auch Schnecken problematisch werden.
Eine scheinbare „Vergiftung“ muss daher nicht zwangsläufig durch ein Gift verursacht worden sein.
Welche Zapfen sind geeignet?
Wir empfehlen ausschließlich vollständig ausgereifte Fruchtstände:
- braun bis dunkelbraun oder fast schwarz
- vollständig verholzt
- trocken
- geöffnet
- möglichst bereits weitgehend entleert
- frei von Schimmel und sichtbaren Verunreinigungen
Grüne, weiche oder noch sehr frische Erlenzapfen gehören nicht ins Aquarium.
Auch Zapfen aus Floristik- oder Dekorationsmaterial sollten nicht verwendet werden. Sie können mit Pflanzenschutzmitteln, Insektiziden oder Konservierungsmitteln behandelt worden sein.
Das ist besonders für Garnelen relevant, weil viele Krebstiere auf bestimmte Insektizide extrem empfindlich reagieren.
Schwarzerle und Grauerle unterscheiden
Nur anhand eines einzelnen losen Zapfens ist die Bestimmung nicht immer sicher.
Am Baum gelingt sie deutlich besser.
Bei der Schwarzerle (Alnus glutinosa) sind die Fruchtstände meist deutlich gestielt. Die Blätter sind eher rundlich und an der Spitze häufig stumpf oder leicht eingebuchtet.
Bei der Grauerle (Alnus incana) sitzen die Fruchtstände meist kürzer gestielt oder fast direkt am Zweig. Ihre Blätter laufen deutlicher spitz zu und wirken auf der Unterseite häufig graugrün.
Wer selbst sammelt und bei der Bestimmung unsicher ist, sollte die Zapfen nicht für das Aquarium verwenden.
Erlenzapfen für Garnelen und Schnecken
Garnelen und Schnecken nutzen Erlenzapfen gerne als zusätzliche Weidefläche.
Auf der Oberfläche bildet sich Biofilm, der von Garnelen abgeweidet wird. Auch Schnecken suchen solche Naturmaterialien regelmäßig nach Aufwuchs und Mikroorganismen ab.
Eine spezifische Giftwirkung reifer Schwarzerlenzapfen auf typische Aquariengarnelen oder -schnecken konnten wir nicht nachvollziehen.
Entscheidend bleibt jedoch die Qualität des Materials und eine vernünftige Dosierung.
Wie viele Erlenzapfen ins Aquarium?
Hier gilt ausdrücklich:
Nicht nach dem Motto „viel hilft viel“ dosieren.
Als vorsichtige Orientierung empfehlen wir:
ca. 1 kleinen bis mittelgroßen Schwarzerlenzapfen auf 10–20 Liter Aquarienwasser.
Für den Einstieg reicht oft sogar weniger.
Beispiele:
- 20 Liter: etwa 1–2 Zapfen
- 30 Liter: etwa 2 Zapfen
- 54 Liter: etwa 3–5 Zapfen
- 100 Liter: etwa 5–8 Zapfen
Bei sehr kleinen Nanoaquarien sollte besonders vorsichtig dosiert werden.
Die tatsächliche Wirkung hängt unter anderem von Größe, Alter und Gerbstoffgehalt der Zapfen sowie von Wasserhärte und pH-Wert ab.
Wer Erlenzapfen erstmals verwendet, gibt deshalb besser zunächst eine kleinere Menge ins Aquarium und beobachtet Tiere und Wasser.
Eine kräftige Braunfärbung des Wassers ist grundsätzlich nicht gefährlich, zeigt aber, dass viele Gerb- und Huminstoffe abgegeben werden.
Kommt es dagegen zu milchiger Trübung, ungewöhnlichem Verhalten der Tiere oder deutlichem Sauerstoffmangel, sollten die Zapfen entfernt und die Sauerstoffversorgung verbessert werden.
Wie lange bleiben die Zapfen im Aquarium?
Erlenzapfen können normalerweise im Aquarium verbleiben, bis sie weitgehend ausgelaugt oder deutlich zerfallen sind.
Garnelen und Schnecken nutzen sie häufig noch lange als Weidefläche, auch wenn sie kaum noch Gerbstoffe abgeben.
Sie müssen deshalb nicht nach wenigen Tagen entfernt werden.
Unser Fazit
Die pauschale Aussage
„Eine der beiden Erlenarten ist giftig“
lässt sich so nicht bestätigen.
Auch für die Behauptung
„Die Samen der Erlenzapfen sind giftig“
fehlt ein überzeugender wissenschaftlicher Nachweis.
Wahrscheinlicher ist, dass einige der früher beobachteten Probleme durch unreife oder sehr samenreiche Fruchtstände, hohe organische Belastung, starke bakterielle Aktivität und daraus folgenden Sauerstoffmangel entstanden sind.
Für eine möglichst sichere Anwendung halten wir deshalb an einem klaren Qualitätsstandard fest:
Schwarzerle (Alnus glutinosa), vollständig reif, trocken, geöffnet, möglichst samenarm und aus sicher unbelasteter Quelle.
Richtig ausgewählt und maßvoll dosiert sind Erlenzapfen eine sinnvolle Ergänzung für Aquarien mit Fischen, Garnelen und Schnecken.
Katjas Wirbellose Rosenheim