Landkrabben richtig füttern: Warum ein eingefahrenes Paludarium entscheidend ist
Viele Land- und Vampirkrabben wirken nach dem Einsetzen zunächst ausgesprochen mäkelig. Sie verstecken sich, zeigen sich kaum und lassen angebotenes Futter scheinbar unberührt. Häufig liegt das Problem jedoch nicht an der Futtersorte, sondern an der Eingewöhnung und einem noch zu frisch eingerichteten Paludarium.
Die folgenden Hinweise beziehen sich vor allem auf kleine Land- und Vampirkrabben der Gattung Geosesarma. Andere Landkrabbenarten können abweichende Ansprüche haben.
Erfolgreiche Fütterung beginnt vor dem Einzug
Ein frisch eingerichtetes Paludarium sieht vielleicht bereits fertig aus, ist biologisch aber noch weitgehend leer. Auf Laub, Holz und Bodengrund fehlen zunächst Biofilm, Detritus und Mikroorganismen. Auch Springschwänze und Asseln konnten sich noch nicht ausreichend vermehren.
Damit fehlen genau die natürlichen Nahrungsquellen, nach denen Landkrabben normalerweise suchen.
Das Paludarium sollte deshalb möglichst mindestens zwei bis vier Wochen vor dem Einzug eingerichtet werden. Entscheidend ist nicht allein die Anzahl der Tage, sondern dass sich ein stabiles, biologisch aktives System entwickeln konnte.
Während der Einlaufzeit:
- bildet sich Biofilm auf Holz, Laub und Steinen,
- beginnt Herbstlaub langsam zu zerfallen,
- entstehen Detritus und andere verwertbare organische Bestandteile,
- können sich Springschwänze und geeignete Asseln vermehren,
- wachsen die Pflanzen an,
- stabilisieren sich Temperatur und Luftfeuchtigkeit,
- fährt der Wasserteil biologisch ein,
- werden Probleme mit Belüftung, Staunässe oder Schimmel frühzeitig sichtbar.
Gerade frisch eingetroffene Krabben profitieren von dieser natürlichen Nahrungsgrundlage. Auch wenn sie angebotenes Futter zunächst verweigern, können sie Biofilm abweiden, mürbes Laub durchsuchen und Kleinstlebewesen erbeuten.
Springschwänze und Asseln frühzeitig einsetzen
Springschwänze und kleine, feuchtigkeitsverträgliche Asseln sollten möglichst schon während der Einlaufzeit eingesetzt werden. Sie verwerten organische Reste, fördern den Abbau abgestorbener Pflanzenteile und dienen den Krabben zugleich als natürliche Nahrung.
Werden sie erst zusammen mit den Krabben eingebracht, kann die kleine Anfangspopulation schnell gefressen werden. Vor dem Einzug der Krabben sollten sich die Bodenorganismen deshalb bereits vermehren können.
Ein biologisch eingefahrenes Paludarium ersetzt die zusätzliche Fütterung nicht. Es sorgt aber dafür, dass die Tiere jederzeit etwas Fressbares finden.
Warum neue Krabben häufig nicht sichtbar fressen
Fang, Transport und Umsetzen bedeuten erheblichen Stress. Viele Krabben verlassen ihre Verstecke in den ersten Tagen fast ausschließlich nachts. Von ihrer Nahrungsaufnahme bekommen wir deshalb häufig nichts mit.
Weitere mögliche Gründe für eine scheinbare Futterverweigerung sind:
- Die Krabbe ernährt sich von Biofilm, Detritus oder Kleinstlebewesen.
- Sie steht kurz vor einer Häutung.
- Sie hat sich erst kürzlich gehäutet.
- Die Futterstelle liegt zu offen oder zu weit vom Versteck entfernt.
- Sie wird von stärkeren Artgenossen verdrängt.
- Temperatur, Luftfeuchtigkeit oder Wasserqualität stimmen nicht.
- Das Tier wird durch häufiges Nachsehen gestört.
Neue Krabben sollten deshalb möglichst in Ruhe gelassen werden. Ständiges Anheben von Rinde, Wurzeln oder Laub verlängert die Eingewöhnung und kann dazu führen, dass die Tiere ihre Verstecke noch seltener verlassen.
Was fressen Vampirkrabben?
Vampirkrabben sind Allesfresser. Zum Nahrungsspektrum gehören tierische Bestandteile ebenso wie Laub, Detritus, Biofilm und weiche pflanzliche Nahrung.
Geeignete tierische Futtermittel sind beispielsweise:
- aufgetaute Mückenlarven
- Mysis oder Artemia
- kleine Stückchen ungewürzte Garnele
- kleine Würmer
- Bachflohkrebse
- geeignete Futterinsekten
- kleine Schnecken
- hochwertiges Krebs- oder Garnelenfutter
Als pflanzliche Ergänzung eignen sich unter anderem:
- überbrühte Brennnessel
- Löwenzahn
- Kürbis
- Zucchini
- kleine Erbsenstückchen
- geeignete getrocknete Blätter
Eine abwechslungsreiche Mischung ist sinnvoller als eine ausschließlich pflanzliche oder besonders proteinreiche Ernährung.
Kleine Portionen an mehreren Stellen
Am besten wird kurz vor dem Ausschalten der Beleuchtung gefüttert. Statt einer großen Portion auf einer offenen Futterschale werden mehrere winzige Portionen in der Nähe der Verstecke verteilt.
Dadurch müssen scheue Tiere keine offene Fläche überqueren und schwächere Krabben werden nicht so leicht vom Futter verdrängt.
Ein kleines Stück Futter darf direkt vor einen Höhleneingang gelegt werden. Die Krabbe sollte dafür aber nicht hervorgeholt oder mit der Pinzette bedrängt werden.
Am nächsten Morgen lässt sich kontrollieren, ob das Futter verschwunden ist oder Fraßspuren zeigt. Da kleine Krabben nur geringe Mengen aufnehmen, ist nicht immer sofort erkennbar, dass sie gefressen haben.
Banane als Lockfutter
Reife Banane gilt unter vielen Haltern als guter Geheimtipp für mäkelige Landkrabben. Sie ist weich, geruchsintensiv und lässt sich leicht mit den Scheren aufnehmen.
Für eine kleine Vampirkrabbe genügt ein Stück in der Größe eines Reiskorns bis zu einer kleinen Linse. Es wird am Abend direkt vor dem Versteck angeboten.
Banane eignet sich besonders:
- während der ersten Tage nach dem Einsetzen,
- zum Prüfen, ob eine versteckt lebende Krabbe frisst,
- für zurückhaltende Tiere,
- als gelegentliche Abwechslung.
Sie ist jedoch kein Hauptfutter. Wegen ihres hohen Zuckergehalts beginnt Banane im warmen und feuchten Paludarium schnell zu gären. Sie kann außerdem Fruchtfliegen, Milben und Schimmel begünstigen. Reste werden deshalb spätestens am nächsten Morgen entfernt.
Gelegentlich können auch Apfel ohne Kerne, Birne, Mango, Papaya oder etwas Melone angeboten werden. Zitrusfrüchte, Avocado, gezuckertes Obst, Konserven und gewürzte Lebensmittel gehören nicht auf den Speiseplan.
Herbstlaub als dauerhafte Nahrungsgrundlage
Eine ausreichend dicke Laubschicht gehört in jedes passend eingerichtete Landkrabben-Paludarium. Sie dient gleichzeitig als Nahrung, Versteck und Lebensraum für Kleinstlebewesen.
Geeignet sind beispielsweise:
- Eichenlaub
- Buchenlaub
- Walnusslaub
- Seemandelbaumblätter
Für die dauerhafte Laubschicht wird vollständig braunes, abgestorbenes und getrocknetes Herbstlaub verwendet. Es sollte von ungespritzten Bäumen aus einem sauberen, wenig belasteten Gebiet stammen. Laub von stark befahrenen Straßen oder gespritzten Anlagen ist ungeeignet.
Im Paludarium wird das Laub wieder feucht und beginnt langsam zu zerfallen. Dabei entstehen Biofilm und Detritus, die von den Krabben gefressen werden. Weiches und mürbes Laub muss daher nicht entfernt werden. Es darf bleiben, bis es weitgehend zerfallen oder aufgefressen wurde.
Frisch gepflückte grüne Blätter von Eiche, Buche oder Walnuss sind für die dauerhafte Laubschicht nicht geeignet. Sie enthalten mehr Pflanzensäfte und können im feuchtwarmen Paludarium schneller verderben oder gären.
Bekannte Futterpflanzen wie Brennnessel, Löwenzahn, Brombeer- oder Himbeerblätter können dagegen frisch, getrocknet oder kurz überbrüht in kleinen Mengen angeboten werden.
Muss Herbstlaub ausgekocht werden?
Sauberes Herbstlaub muss normalerweise nicht ausgekocht werden. Es genügt, die Blätter sorgfältig zu kontrollieren, trocken auszuschütteln und bei Bedarf kurz mit klarem Wasser abzuspülen.
Gesammeltes Laub sollte vollständig getrocknet und anschließend trocken sowie luftig gelagert werden.
Eine leichte weißliche Besiedlung auf feuchtem Laub oder neuem Holz kann zur natürlichen Zersetzung gehören. Faulig riechendes, schleimiges oder ungewöhnlich stark verschimmeltes Material sollte dagegen entfernt werden.
Eierschale als natürliche Kalziumquelle
Krabben benötigen Mineralstoffe für den Aufbau ihres Panzers. Sauber vorbereitete Eierschale kann als zusätzliche natürliche Kalziumquelle angeboten werden.
So wird sie vorbereitet:
- Eierschale gründlich ausspülen.
- Eiweißreste und möglichst die innere Eihaut entfernen.
- Mit kochendem Wasser übergießen oder kurz auskochen.
- Vollständig trocknen lassen.
- In kleine Stücke brechen oder grob zermahlen.
Ein kleines Stück Eierschale kann dauerhaft an einem trockenen Futterplatz liegen. Fein zermahlene Schale lässt sich sparsam über feuchtes Futter geben. Ergänzend können Sepiaschale oder ein geeignetes Mineralfutter angeboten werden.
Nach einer Häutung sollte die abgestreifte Haut im Paludarium bleiben. Viele Krabben fressen ihre Exuvie und verwerten die darin enthaltenen Mineralstoffe erneut.
Wie häufig sollte gefüttert werden?
Eine starre Fütterungsmenge ist wenig sinnvoll. Der Bedarf hängt von der Größe und Anzahl der Krabben sowie vom natürlichen Nahrungsangebot im Paludarium ab.
Erwachsene Tiere können ungefähr alle ein bis zwei Tage eine kleine zusätzliche Portion erhalten. Jungtiere benötigen häufiger erreichbares, sehr feines Futter an mehreren geschützten Stellen.
Grundsätzlich wird nur so viel angeboten, wie innerhalb weniger Stunden aufgenommen wird. Feuchtes tierisches Futter, Obst und Gemüse werden spätestens am nächsten Morgen entfernt. Herbstlaub sowie eine saubere Eierschale oder Sepiaschale dürfen dauerhaft im Paludarium bleiben.
Wenn eine Krabbe weiterhin nicht frisst
Bleibt eine Krabbe nach der Eingewöhnung dauerhaft ohne erkennbare Futteraufnahme oder wirkt geschwächt, sollte nicht nur die Futtersorte gewechselt werden.
Zu kontrollieren sind:
- Temperatur und Luftfeuchtigkeit
- Wasserqualität
- Erreichbarkeit des Wasserbereichs
- dunkle und ausreichend feuchte Verstecke
- Konkurrenz und Aggressionen innerhalb der Gruppe
- mögliche Verletzungen
- Anzeichen einer bevorstehenden Häutung
- allgemeiner Zustand des Tieres
Ein Haltungsproblem lässt sich nicht dauerhaft durch attraktiveres Futter ausgleichen.
Fazit
Viele Land- und Vampirkrabben sind nicht wirklich mäkelig. Häufig werden sie lediglich zu früh in ein biologisch noch nicht ausgereiftes Paludarium gesetzt.
Erfolgreiche Fütterung beginnt deshalb bereits einige Wochen vor dem Einzug: mit Herbstlaub, Biofilm, Detritus, Springschwänzen, Asseln und einem stabil eingefahrenen Wasserteil.
Während der Eingewöhnung helfen Ruhe, mehrere geschützte Futterstellen und sehr kleine Portionen. Banane kann als Lockfutter besonders attraktiv sein, bleibt aber eine gelegentliche Ergänzung. Getrocknetes Herbstlaub bildet dagegen eine dauerhafte Nahrungsgrundlage, während vorbereitete Eierschale zusätzliche Mineralstoffe liefert.
Je naturnäher und biologisch aktiver das Paludarium eingerichtet ist, desto besser können die Krabben ihr natürliches Such- und Fressverhalten ausleben.
Katjas Tipp: Richte das Paludarium nicht erst am Tag des Einzugs ein. Gib Laub, Springschwänzen, Asseln und Mikroorganismen einige Wochen Zeit, sich zu entwickeln. Gerade frisch eingetroffene und zurückhaltende Krabben finden dann von Anfang an natürliche Nahrung – auch wenn sie angebotenes Futter zunächst verweigern.
Land- und Vampirkrabben für das Paludarium
Ein Paludarium für Land- und Vampirkrabben richtig einrichten